Während der Tour haben wir ein kleines Tagebuch geschrieben, um erste Eindrücke zu vermitteln.

Freitag, der 13.4.: Morgen ist der Tag 0, die Anreise zum Flugplatz. Die Rucksäcke sind gepackt, unser selbst gestelltes Gewichtslimit haben wir gerade so eingehalten, ohne was auspacken zu müssen.
Der Blick auf die Wetterprognose bei wetter.com verspricht aber für die ersten drei Tage nicht viel Gutes: kühl, Wolken und zeitweilig Regen. Es kann nur besser werden.

 

Tag1: Anreise nach Pamplona geplant, erste Panne: keine Fahrkarten für die Eisenbahn Barcelona - Pamplona erhalten.

Tag 2: Erst heute können wir mit dem Bus nach Pamplona fahren, Start auf den Camino anstatt morgens erst gegen 15 Uhr, bei Dunkelwerden erst Uterga erreicht, zweite Panne: Pilgerherberge komplett belegt. Weiter mit einem Auto bis Puente la Reina.

Tag 3: Puente la Reina nach Estella / Lizarra: Alles lief, wie wir es uns vorgestellt haben.

Tag 4: Estella nach Los Acros: Kurz hinter Estella nahe dem Kloster Irache liegt das Weingut “Bodegas de Irache” mit einem besonderen Pilgerbrunnen: aus einem Hahn fließt normales Wasser, aus dem anderen kostenlos Wein. Schmeckt gut.

Tag 5: Los Acros nach Viana: Die bisher kürzeste Etappe, nur 20 km.

Das Wetter der ersten Tage: Wolken, Sonne, zum Teil sehr scharfer Wind, heute (5. Tag) auch etwas Regen.

Die Wege: Überwiegend gut bis sehr gut begehbar, manchmal aber auch steil und steinig, am Tag 2 auch stellenweise sehr schlammig.

Wegemarkierung: sehr gut, verlaufen ist eigentlich ausgeschlossen.

 

Montag, den 23.04., Tage 6 - 9

Ziemlich genau ein Viertel der Strecke liegt hinter uns (184 km). Eigentlich lief fast alles wie geplant, das Wetter bescherte und Sonne, Wolken, aber auch viel und heute sehr starken Wind, heute nur als Gegenwind. Der Regen war nicht der Rede wert, immer wenn wir gerade unsere Regencapes übergezogen haben, war er vorbei.

Unsere bisherigen Etappen seit dem 1. Bericht:

Tag 6: Viana - Navarrete

Tag 7: Navarrete - sollte eigentlich nur bis Najera gehen, aber wir hatten Zeit und Lust und sind 6 km weiter gelaufen bis Azofra

Tag 8: ab Azofra planmäßig bis nach St. Domingo de la Calzada.

Tag 9: St. Domingo de la Calzada - Villamayor del Rio. Wir mussten heute auch wieder 5 zusätzliche Kilometer dranhängen, denn die Pilgerherberge in Villamayor existiert nicht mehr. So haben wir es morgen eben etwas leichter.

Unsere bisherigen Eindrücke von den Pilgerherbergen: wir schätzen die Herbergen mit befriedigend bis gut ein, Ausrutscher war aus unserer Sicht die Herberge in Estella, die wir lediglich als ausreichend werten. Generell in den Herbergen Doppelstockbetten, keine Trenneng Frauen / Männer. Positiv wollen wir Viana (abschließbare kleine Spinde für jeden Gast) und Azofra (kleine Räume mit nur jeweils 2 Betten - kein Doppelstock) nennen. Die Preise bewegten sich zwischen 5 € und 8 € pro Person, in Los Acros und Belorado kommen jeweils noch 3 € pro Person dazu, wenn man das Frühstück nutzen will.

 

Freitag, den 27.04.12

Auch der beste Plan lässt sich ändern - 276 km seit dem Start, noch voraussichtlich 447 km

Tage 10 und 11: Nachdem wir gestern bereits bis Belorado weiter gegangen sind, haben wir auch für diese Etappen die Ziele neu gesteckt: San Juan de Ortega und für den 11. Tag Burgos. Damit liegen wir unserem eigenen Plan 1 Tag voraus. Vielleicht brauchen wir diese Reserve demnächst.

Tag 12: Ab heute halten wir uns mal wieder an unsere geplanten Strecken. heute geht es von Burgos nach Hornillos del Camino. Obwohl wir bereits um 15 Uhr am Ziel waren, war die Albergue (Pilgerherberge) schon fast voll. In Hornillos del Camino hat es dann den ganzen Abend geregnet.

Tag 13: Endlich mal früh nicht so kalt, dass es auch ohne Handschuhe (die liegen natürlich zu Hause - wir hatten Frühling erwartet) gut auszuhalten war, und auch von dem z.T. heftigen Wind der letzten Tage war nichts mehr übrig.

A B E R : leichter Regen den ganzen Tag, die Wege streckenweise sehr schlammig (Ihr solltet unsere Schuhe und Hosenbeine sehen können). So ist eben der Camino, jeden Tag eine neue Herausforderung. Bis morgen werden die Sachen sicher wieder trocken sein. Fast vergessen: unser heutiges Tagesziel war Castrojeriz.

Hoffentlich ist uns Petrus morgen wieder besser gesonnen, wenn es dann über 25 km nach Fromista gehen soll.

 

Montag, den 30.04.12

Heute beginnen wir die 3. Woche unserer Tour. Leider hat sich unser Wetterwunsch vom vergangenen Freitag nicht erfüllt, und so begann der

Tag 14 wieder mit Regen, der auch den ganzen Tag über anhielt und uns veranlasste, statt nach 25 km in Fromista schon nach 20 km in Boadilla del Camino einzukehren. Zum Glück war die Herberge auch noch nicht voll, als wir ankamen.

Tag 15: Heute geht es zunächst am Canal de Castilla entlang bis Fromista und gleich weiter bis nach Carrionde los Condes. Frage am Start: Regenponchos anziehen oder nicht? Wir haben uns für letzteres entschieden und waren damit gut beraten, nur hin und wieder ein paar kleine Tropfen. Die Strecke (Sandweg entlang der fast schnurgeraden P985) war äußerst langweilig. Unser Nachtlager fanden wir im Colegio del Espiritu Santo, einer Herberge im Kloster San Vincente de Paul.

Tag 16: Der erste Tag unserer 3. Pilgerwoche. Nur 17 km von Carrionde los Condes nach Calzadilla de la Cueza, fast ein Spaziergang. Sonne, Wolken, der Wind erst fast unmerklich, später dann etwas stärker, kein Regen, keine Berge.

Das Essen verlangt zuweilen von uns Flexibilität: manchmal gibt es Frühstueck in der Albergue oder auch in einer nahen Bar, ansonsten konnten wir auch schon in der (wenn vorhandenen) Herbergsküche aus mitgebrachtem Baguett und Aufstrich unser Frühstück bereiten, wir mussten jedoch auch schon gut 5 km laufen, ehe wir eine offene Bar fürs Frühstück fanden. Tagsüber Baguetts in einer Bar oder was aus dem Rucksack (Bananen, Schokolade), abends meist ein Menu del Peregrino (Pilgermenü: Vorspeise, Hauptgang, Dessert, Wasser und Wein) in einem Restaurant, jedoch immer erst ab 19.00 oder 19.30 Uhr. Preise zwischen 8 und 10 €, man kann gut satt werden.

 

Donnerstag, 03.05.12

Die halbe Strecke ist geschafft, am 1. Mai waren es am Tagesziel 364 km (geplante Gesamtstrecke 723 km), indessen ist auch die 400-km-Marke geknackt.

Das gute Wetter (kein Regen wenig Wind, nicht zu warm) hat auch an den beiden ersten Mai-Tagen angehalten, heute wollten wir ursprünglich erstmals ohne Anoraks abmarschieren. Doch daraus wurde nichts: nachts Regen, der am Morgen zwar aufgehört hatte und sogar der Sonne Gelegenheit gab, mal aus einer Wolkenlücke zu blinzeln, doch schon nach 5 km mussten wir wieder unsere Regenponchos anziehen. Und kurz vor dem Ziel erwischte uns noch ein mächtiger Gewitterschauer.

Hier nun die letzten Etappen im Telegrammstil:

Tag 17: von Calzadilla de la Cueza nach Sahagun über knapp 24 km

Tag 18: von Sahagun nach El Burgos Ranero mit 19 km

Tag 19: von El Burgos nach Mansilla de las Mulas mit 20 km

 

Montag, den 7. Mai 2012

Unsere 4, Pilgerwoche hat begonnen, zwei Drittel der Strecke (= 485 km) sind geschafft. Nach einem trockenen Tag gab es heute mal wieder einige Kilometer lang Regen.

Der Weg war abwechslungsreich bergauf und bergab, nur wenige Strassenkilometer.

Tag 20: Mansilla de las Mulas nach Leon = 19 km. Herberge fanden wir in einem Benediktinerinnenkloster, erstmals gab es getrennte Schlafsäle für Männer und Frauen. Den gemeinsamen Aufenthalts- und Essenraum empfanden wir als zu klein.

Tag 21: Leon nach Villar de Mazarife = 24 km. Anfangs durch Leon und Vororte 6 km nur Strassenpflaster, auf der Strecke kurzzeitig starker Regen mit Graupelschauer. Wieder eine gute Herberge mit Pilgermenü und Frühstück im Haus.

Tag 22: Villar de Mazarife nach Hospital de Orbigo = nur 16 km, ebene Strecke, nur Sonne oder Wolken mit schwachem Wind, also ideales Wetter für uns. Die Herberge rangiert in unserer persönlichen Wertung bisher auf Rang 1.

Tag 23: Hospital de Orbigo nach Murias de Rechivaldo = 24 km. Heute haben wir die Etappe mal wieder etwas verlängert, denn ab morgen geht es in die Berge. Hügelige abwechslungsreiche Landschaft, überwiegend Sandwege, manchmal auch steinig, erst vor bis kurz nach Astorga wieder Strasse und Regen, die übrige Strecke Sonne oder Wolken und schwachen Wind (seitlich von hinten).

 

Freitag, den 11.05.12

Wetterwechsel und erneut geänderte Etappenplanung

Am Dienstag (24. Tag) hatten wir noch trübes Wetter mit Regen am Schluss der Etappe, am nächsten Morgen lag beim Erwachen unsere Albergue in den Wolken, 3 Stunden später gab es Sonne im Überfluss, und das auch noch am Folgetag. Außerdem haben wir noch unsere Etappen einige Kilometer verlängert mit dem Ergebnis, dass wir nun einen weiteren Reservetag haben.

Tag 24: Murias de Rechivaldo nach Foncebadon = 21 km. Die Herberge war bei der Ankunft fast ausgebucht, wir bekamen gerade noch 2 Matratzen im Anbau. Vorteilhaft möchten wir vermerken, dass wir Abendessen und Frühstück in der Herberge bekamen.

Tag 25: Foncebadon nach Ponferrada = 29,5 km. Kurz nach dem Passieren des Cruz de Ferro (Eisernes Kreuz) schlug das Wetter um, von da aus nur noch Sonne. Der Abstieg von rund 1520m auf 600m bei Molinascea war strapaziös, der Weg war oftmals steil und immer steinig.

Tag 26: Ponferrada nach Villafranca del Bierzo = 27,5 km. Wieder nur Sonne pur und kein Schatten. Die 2. echt schwere Etappe in Folge. Obwohl es laut Karte nahezu eben sein sollte, gab es doch ein häufiges auf und ab.

Tag 27: Villafranca del Bierzo nach Vega de Valcarca = 18,5 km. Eine Etappe fast zum Ausruhen, auch die Sonne hielt sich weitgehend bedeckt. Keine nennenswerten Höhenunterschiede, doch morgen geht es wieder in die Berge. Unsere heutige Herberge, die "Albergue do Brasil" wird uns mal keine spanische Küche, sondern ein brasilianisches Mahl servieren, wir sind gespannt.

 

Heute ist erst einmal ein Nachtrag zum Tag 27 fällig: er betrifft die "Albergue do Brasil". Wir waren an diesem Abend nur 8 Gäste, die Atmosphäre fast familiär, gemeinsames Abendessen, am nächsten Morgen auch gemeinsames Frühstück, beides sehr gut. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle an Johanna und ihre Mitstreiter.

Johanna, wenn Du diese Zeilen liest, melde Dich bitte per Mail bei uns.

Auch an den Folgetagen hatten wir wieder gutes, trockenes Wetter, wir konnten alle Strecken wie geplant gehen.

Tag 28: Vega de Valcarca nach O Cebrero = 16 km. Keine lange Etappe aber ein Anstieg bis auf 1300m. Kurz vor O Cebrero überschritten wir die Grenze zu Galicien, der 1. Wegestein zeigte uns noch 153 km bis Santiago an. Wir wissen aber, dass der genaue Verlauf des Camino in den Jahren mehrfach geändert wurde (Strassenbauten, Flurbereinigungen), damit haben sich auch z.T. andere Entfernungen ergeben. Abendessen wieder in einem Restaurant, am kommenden Morgen erst mal 5 km gehen bis zum Frühstück in nächsten Ort.

Tag 29: O Cebreiro nach Triacastela = 23 km. Am ganzen Vormittag keine Sicht in die Täler, diese waren mit dichten Nebelschwaden gefüllt.

Tag 30: Triacastela - Sarria = 28 km. Es sollten eigentlich nur 19 km sein, aber wir haben die Route geändert: statt über San Xil de Carballo und Fontearcude sind wir über Samos - Gontan - Sivil gegangen. Es hat sich aber gelohnt, wir waren auch zur richtigen Zeit am Kloster Samos, um an einer einstündigen Führung durch das Kloster teilnehmen zu können.

Tag 31: Sarria nach Mercadorio = 18,5 km. Fast eine Erholungsetappe, obwohl es auch wieder mehrfach auf und ab ging. Am Mittag erreichten wir den Wegestein "100 km" bis Santiago, ist natürlich für die spätere vollständige Berichterstattung fotografisch dokumentiert.

 

Das Ziel rückt näher - noch ca. 55 km

Das Wetter ist etwas kühler geworden, uns gefällt es. Die großen Berge sind vorbei. Die Landschaft ist abwechslungsreich, nicht mehr die endlos langen geraden Sandwege oder Straßen.

Tag 32: Mercadoiro - Ventas de Naron = 21 km. Dichte Nebelschwaden versperrten den Blick ins Tal des Belesar-Stausees. Ab Portomarin dann weitgehend klar, Sonne. Von der Herberge in Ventas de Naron waren wir enttäuscht: die im Pilgerführer angegebene Küche fehlte, nur eine Dusche/WC für alle, dafür aber 10 statt 9 Euro.

Tag 33: Ventas de Naron nach Palas de Rei = 13 km. Eine Ausruhetappe. Sonne, Schatten, kühler Wind, hügliges Gelände. Die Herberge wieder mit Enttäuschungen: die Küche war wohl vorhanden, das Kochgeschirr völlig unzureichend und der Gasherd zudem ohne Funktion - dabei wollten wir uns endlich mal wieder was anderes zu essen bereiten.

Tag 34: Palas de Rei - Melide = 17 km. Noch eine leichte Etappe in hügligem Gelände. Start bei leichtem Nieselregen, wir haben trotzdem auf die Anoraks / Ponchos verzichtet und es nicht bereut, der Regen hörte bald auf. Den richtigen Weg durch Melide zu finden war fast ein Glücksspiel, die Markierung war nicht besonders gut.

Tag 35: Melide - Arzua wi geplant ohne Besonderheiten, ebenso

Tag 36: Arzua - Pedrouzi

Tag 37: Pedrouzi - geplant nur bis Monte de Gozo, aber wieder mal etwas verlängert bis und so schreiben wir ...

 

Heute, 21.05.2012, 15.30 Uhr

              SANTIAGO DE COMPOSTELA

            Wir stehen vor der Kathedrale und haben es

                  GESCHAFFT.