Wir schreiben Ende Oktober 2015. Hinter uns liegen fast 1600 km gemeinsam auf Jakobswegen: auf dem Camino Francés von Pamplona bzw. von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiage de Compostela (2012 und 2013), die Teilstrecke Rostock - Wismar auf dem Baltischen Weg (Training für die Tour 2013).
Wolfgang ist noch weitere 1200 km gelaufen: auf Camino de la Costa / Camino del Norte von Heydenne bis Fisterra und Muxia (2014) sowie auf dem Ökumenischen Pilgerweg (Via Regia) die Teilstrecke Görlitz - Leipzig (2015).

Jetzt sind wir dabei, diese ganze Seite neu zu gestalten. So lange bleibt natürlich der alte Inhalt erhalten.

Wir haben zunächst 3 Fotoalben vorbereitet und online gestellt:
          die Bildergalerie der Tour 2013
          die Bildergalerie des Abschnittes Heydenne - Baamonde der Tour 2014
          die Bildergalerie der Tour Görlitz - Leipzig 2015

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Im Herbst 2011 haben wir den Entschluss gefasst, den Jakobsweg in Spanien (Camino frances) zu absolvieren. Nach vielen Vorbereitungen (siehe weiter unten) ging es dann im April 2012 los.
Den Verlauf, unsere Eindrücke, etliche Bilder findet Ihr auf dieser Seite sowie auf den Folgeseiten “Die Tour 2012”, “Santiago” und “Tagebuch 2012”

Die vielen Eindrücke ließen den Plan für eine Wiederholung im Herbst 2013 reifen. Wir wollen dann bereits im französischen Saint Jean Pied de Port starten, die Pyrenäen überqueren und Alternativwege für einzelne Abschnitte nutzen. Eine Verlängerung bis zum Cabo Fisterra mussten wir schon in der Planungsphase verwerfen, der vorgesehene Zeitrahmen reichte dafür nicht aus. Hier gibt es schon erste Bilder der 2013er Tour.

Wieder haben wir viele neue Eindrücke und Bilder mitgebracht, Kontakte zu anderen Pilgern geknüpft. Darüber wird in der Folge zu berichten sein. An dieser Stelle sei unser Dank an alle ausgesprochen, mit denen wir streckenweise zusammen gepilgert sind und / oder nette Abende in den Herbergen verbringen konnten.

Wir werden demnächst die Seite “Die Tour 2012” unter Einbeziehung unserer Erlebnisse und der Bilder aus dem Jahr 2013 unter dem Titel “Camino frances” neu gestalten.

Indessen ist Wolfgang - diesmal allein - im August bis Oktober 2014 auf dem Küsten- / Nordweg (Camino de la Costa / Camino del Norte) bis Baamonde, von da über Lugo nach Sarria, weiter auf dem Camino frances bis Santiago de Compostela, anschließend noch bis Fisterra - Muxia unterwegs gewesen. Wieder gab es viele Eindrücke und Bilder. Für den ausführlichen, bebilderten Bericht “Camino del Norte” werden wir noch einige Zeit benötigen.
Bis dahin gibt es schon mal ein Fotoalbum 2014 für den Abschnitt Irun - Baamonde.
 

2012 am Start

startbereit
Compostela Ingrid Compostela Wolfgang

G E S C H A F F T

Credencial IW-2 anonym K

Pilgern auf dem Jakobsweg - warum ?

Es war der 11. Mai in Vega de Valcarce in der Albergue do Brasil. Wir, das waren 6 Pilgerinnen / Pilger aus Deutschland, einer aus Südkorea und einer aus Irland sowie Johanna, die Hospitalera (deutsch etwa Herbergsmutter), saßen in fast familiärer Atmosphäre am Tisch zum Abendessen. Johanna forderte uns auf, uns kurz vorzustellen und mit wenigen Worten die Frage zu beantworten, was der Camino für uns bedeutet.

Wir wollen es gleich voranstellen: Unser Entschluss für diese Tour hat keine religiösen Wurzeln, wir wollten damit keine Verbindung mit einem oder dem Gott wiederherstellen oder vertiefen, nicht um Vergebung (wofür?) bitten.

Für uns sollte es eine Langstreckenwanderung werden, die uns auch an unsere Leistungsgrenzen führen sollte. Wir wollten grundsätzlich ohne den alltäglichen “Luxus”, der auf guten Campingplätzen und in Hotels geboten wird, auskommen, nur das zur Verfügung haben, war wir im Rucksack mitführen können.

Dazu kam natürlich auch der Reiz, ein uns bis dahin unbekanntes Land kennen zu lernen.

Zugegeben: wir mussten uns zuweilen klarmachen “Wir wollen es schaffen”, um dann auch zu sagen “weil wir es wollen, werden wir es auch schaffen”. Und irgendwann wussten wir “Wir schaffen es”.

Und jetzt ?

Wir haben es geschafft, sind wieder zu Hause, die vielen Bilder sind gesichtet und zum Teil bearbeitet, unsere Aufzeichnungen sortiert. Aus den kurzen Tagebuchnotizen ist indessen die Seite “Die Tour 2012” entstanden.
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So haben wir uns vorbereitet

“Der Jakobsweg beginnt an der Haustür”. Dieser Ausspruch aus vergangenen Zeiten drückt aus, dass der Pilger zu Hause aufgebrochen ist, um dann eines Tages an sein Pilgerziel zu gelangen und von dort aus natürlich auch wieder zurück. Er hatte noch keine Etappenplanung, pilgerte zu Fuß von Ort zu Ort, ohne Landkarte oder GPS, die Kirchtürme als Wegweiser. So haben sich auch im Laufe der Zeit die verschiedenen Pilgerwege herausgebildet.

Uns geht es im folgenden um den Wegeabschnitt von der französisch-spanischen Grenze bis Santiago de Compostela, dem Grab des Heiligen Jakobus. Von der Haustür bis zu dem von uns gewählten Startort und von Santiage zurück haben wir natürlich neuzeitlichen Komfort benutzt, was uns zu einer möglichst realistischen Etappenplanung zwang.

Für diese Etappenplanung haben wir uns 2012 in erster Linie auf die Bücher “DUMONT aktiv: Wandern auf dem Spanischen Jakobsweg” und “KOMPASS Wanderführer 5912 Jakobsweg Spanien” sowie die “KOMPASS Wanderkarte 133, Spanischer Jakobsweg” gestützt. Wir wollten aber möglichst keine Abschnitte von über 25 km gehen, zudem hatten wir ohnehin 40 Tage zur Verfügung. So sind aus den vorgeschlagenen 31 Etappen geplante 39 geworden, real haben wir die Strecke dann in 36 Abschnitten bewältigt.
Für die Touren 2013 und 2014 nutzten wir wiederum den “KOMPASS”, dazu aber die Rother Wanderführer “Spanischer Jakobsweg - von den Pyrenäen bis Santiago” und “Camino del Norte - Jakobsweg” (beide von Cordula Rabe. Den Führer “OUTDOOR Nr. 71 - Spanien: Jakobsweg - Küstenweg” fanden wir nicht so gut, andere Polger unterwegs standen aber drauf.

Den Pilgerausweis (Credencial) haben wir uns rechtzeitig von der Jakobusgesellschaft in Aachen schicken lassen. Ohne Credencial kann es passieren, dass die Pilgerherbergen der Gemeinden oder der Kirche die Aufnahme verweigern und an private Herbergen (teurer) verweisen.
Herbergsführer: Die Angaben in den Pilgerführern sind trotz Verwendung der aktuellen Auflage zuweilen veraltet, den besseren Tipp erhielten wir 2012 unterwegs (damit leider zu spät): das “Gelbe Heft”, erhältlich beim Freundeskreis der Jakobuspilger in Paderborn (www.jakobusfreunde-paderborn.eu). Dort ist auch das Credencial sowie die Pilgermuschel und weiteres Infomaterial erhältlich.

Medizinische Vorbereitung: Hier haben wir uns ganz auf unseren Hausarzt verlassen (Aktualisierung des Impfschutzes, ein paar zusätzliche Medikamente, dazu Blasenpflaster, eine Mullbinde - wir haben alles zum Glück nicht gebraucht). Nicht vergessen: ein gutes Sonnenschutzmittel (Lichtschutzfaktor 50), es gibt auf den Wegen nur selten Schatten.

Schuhe: wir hatten neben den knöchelhohen Wanderstiefeln zusätzlich ein Paar leichte Laufschuhe (sehr gut, wenn wir z. B. abends noch den Ort erkunden wollten und als Ersatz, wenn mal die Wanderstiefel nass geworden wären und bis zum nächsten Morgen nicht trocken sind) und die obligatorischen Badesandalen mit. Selbstverständlich haben wir darauf geachtet, dass Wolfgangs orthopädische Einlagen auch in die Laufschuhe passten.

Persönliche Fitness: Wer noch nie eine Langstreckenwanderung gemacht hat oder auch sonst, z. B. mit Jogging, kein Ausdauertraining absolviert hat, der sollte vorher schon einige Wanderungen machen, mit Strecken so um 15 km beginnen, steigern bis etwa 25 km und dann auch mit Gepäck.
Wir haben im Herbst 2011 / Frühjahr 2012 mehrere Touren von jeweils rund 20 km absolviert, allerdings ohne bzw. nur mit einem leichten Rucksack unter 5 kg. Für uns war es ausreichend.

Vorbereitung für 2013 und 2014

Auf eine spezielle Fitness-Vorbereitung haben wir in beiden Jahren verzichtet.

Unsere Ausrüstung hat sich 2012 im wesentlichen als zweckmäßig herausgestellt, trotzdem gab es Verbesserungen und Ergänzungen. Die Jeans blieben zu Hause - sie trockneten viel zu schwer. Die Alu-Trinkflaschen mussten Trinkblasen mit angebrachtem Schlauch weichen, neue und wärmere Schlafsäcke, sie brachten aber auch etwas mehr Gewicht und Volumen mit. Die zusätzliche Isomatte (2014) hat sich im Nachhinein als überflüssig erweisen.

Bei der Streckenplanung 2013 haben wir selbstverständlich unsere Erfahrungen des vergangenen Jahres berücksichtigt: einzelne Herbergen wollten wir nicht mehr nutzen und damit auch Etappenorte “abwählen”, die Etappen sollten nicht oder nur unwesentlich länger als 20 km werden. Für 2014 kam erschwerend dazu, dass es auf dem Wege bedeutend weniger und kleinere Herbergen gibt, die Entfernung zwischen ihnen auch mehrfach über 20 km beträgt.
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Einkaufen, essen und trinken

In vielen Orten (Kennzeichnung z. B. auf der Karte) gibt es einen “Supermarkt”, zuweilen auch nur in der Größe eines “Tante-Emma-Ladens”. Dort bekommt Ihr die wichtigsten Nahrungsmittel. Nur an die Öffnungszeiten müsst Ihr Euch sicher gewöhnen: zwischen 14 und 17 Uhr ist meist geschlossen.

Die Bars haben meist von vormittags bis abends geöffnet und bieten neben belegten Baguettes oftmals auch verschiedene “Platas combinados” an.
Restaurants haben oftmals über die Mittagszeit (etwa bis 14 oder 15 Uhr) und dann ab abends (etwa ab 19 Uhr, zuweilen auch später) geöffnet. Dort esst Ihr dann besonders günstig, wenn Ihr das “Pilgermenü” oder das “Menü des Tages” ordert: meist mehrere Vorspeisen, mehrere Hauptgerichte und Nachtisch zur Auswahl, dazu Brot zur Vorspeise sowie ein Getränk (Wasser, Bier oder auch Rotwein - manchmal sogar eine ganze Flasche jeweils für 2 Personen), das ganze für 8 - 12 € pro Person. Die Portionen waren groß genug, um auch wirklich satt zu werden.
Die Speisekarten sind gelegentlich auch in englisch, manchmal auch bebildert, nur in seltenen Fällen auch in deutsch verfügbar.
Einige (Privat-)Herbergen sind auch mit einer Bar gekoppelt oder haben eine eigene Küche, die morgens ein Frühstück und abends ein Pilgermenü - dann aber meist ohne große Auswahl - anbieten.

Das Frühstück und Abendessen selbst zubereiten war in den Gemeindeherbergen (außer in den Xunta-Herbergen in Galicien - in deren Küchen gab es 2012 keinerlei Geschirr) und in einigen Privatherbergen möglich.
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Die Herbergen

Sechs Wochen unterwegs - jeden Tag in einer anderen Herberge (Ausnahme: Santiago de Compostela, doch dazu später), wir glauben, die ganze Bandbreite der Qualität kennen gelernt zu haben, von ausgezeichnet bis noch ausreichend. Wir wollen hier keinesfalls alle Herbergen aufzählen und einzeln bewerten.
Aktualität der Angaben: Die Herbergsverzeichnisse in den Pilgerführern sind oftmals unvollständig, die enthaltenen Detailangaben zur Ausstattung und zu den Preisen veraltet (Beispiel Ausgabejahr des Buches 2013 - meist stammen die Daten von Ende 2011). Am besten bei einem der Jakobusvereine (z.B. Paderborn, Link weiter oben im Text) nach einem Herbergsverzeichnis fragen, damit haben wir 2013 und 2014 gute Erfahrungen gemacht.
Schlafsäle und Bettenanzahl: hier reichte die Spanne von 2 Betten je Raum (Gemeindherberge in Azofra) bis über 30 Betten in einem Schlafsaal (z.B. Albergue Convento Santa Maria in Leon - hier mit getrennten Schlafsälen für Männer und Frauen; Albergue San Nicolas in Ponferrada; Albergue de Estella - kalt, unzureichende Möglichkeit, Wäsche zu trocknen).
Warmwasser: in etlichen Herbergen gab es warmes Wasser nur an den Duschen und Abwaschbecken der Küchen - die kleine Wäsche entweder kalt oder unter der Dusche waschen, ebenso rasieren.
Küchen: die Angaben in den Herbergsführern treffen nicht immer zu. Zuweilen gibt es kein Geschirr (alle von uns im Jahr 2012 besuchten Xunta-Herbergen in Galicien, in den folgenden Jahren hat es sich teilweise gebessert) oder zu wenig, Herd funktioniert gar nicht (Albergue Buen Camino Palas de Rei), die Küche am Morgen verschlossen (frühstücken auf dem Flur, Albergue Arzua 2012), meist waren die Küchen ausreichend bis gut.
Sicherheit: etliche Herbergen hatten verschließbare Fächer oder kleine Spinde, z. B. Albergue Andres Munoz Viana, Albergue Las Aguedas / Murias und andere.
Hervorheben möchten wir auch:
die Albergue Mansilla de las Mulas: Wäscheleinen auf dem mit einem Propanofen beheizten Flur - alles war an mächsten Morgen trocken, die sehr umsichtige Hospitalera Laura;
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die Albergue San Miguel in Hospital de Orbigo: der Empfang, Küche, Innenhof, Frühstück, ansprechende Gestaltung der Herberge;

die Albergue do Brasil in Vega de Valcarce: das gesamte
 Ambiente, die sehr umsichtige Hospitalera Johanna,
die Bewirtung


Eine besondere Rolle spielte für uns die Residencia de Peregrinos San Lazaro am Stadtrand von Santiago de Compostela. Diese Herberge bietet für wenig Geld (1. Tag 10,- € incl. Bettlaken, Kissenbezug und Badetuch, ab 2. Tag 7,- €) bereits einen bis zu 3-tägigen Aufenthalt an, wir konnten 2012 die Dauer problemlos auf 5 Tage verlängern, 2013 dagegen wurden trotz fast leerer Herberge nur bis 3 Tage Aufenthalt gewährt. Zusätzlich steht für jeden Gast ein Spind zur Verfügung, in dem ein üblicher Rucksack problemlos Platz findet, Warmwasser auch an den Waschbecken, Wäschetrocknen auch bei Regen (unter Dach), gut ausgestattete Küche, kleine Schlafsäle, Bushaltestelle für den Stadtbus (alle 20 Min., 1,- €) und den Flughafenbus (alle 30 Min., 3,- €) ca. 200m entfernt

Weitere Bilder von Herbergen findet Ihr hier.

Jetzt geht es auf den Weg. Wir wünschen einen “Bueno Camino”.

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